Der internationale Luftfahrtverband Iata erhöht den Druck auf die Staaten, um die Erholung der Branche zu unterstützen und fordert dabei, sich auf drei Schlüsselbereiche zu konzentrieren.
Die Iata verlangt in ihrem Vorschlag „From Restart to Recovery: A Blueprint for Simplifying Travel”, die Gesundheitsvorschriften zu vereinfachen, digitale Lösungen für die Gesundheitsnachweise zu finden und die Corona-Maßnahmen ständig dem Risiko der Pandemie anzupassen. „Derzeit haben weltweit die Regierungen über 100 000 Covid-bezogene Maßnahmen eingeführt. Diese Komplexität ist ein Hindernis für die internationale Mobilität“, so Conrad Clifford, Iatas Vize-Generaldirektor.
In Bezug auf die Pandemievorschriften schlägt der Lobbyverband der Airlines simple, einheitliche und voraussagbare Maßnahmen vor. Dazu gehört die Öffnung aller Grenzen und Beseitigung Reisehindernisse wie zum Beispiel Quarantäne und Tests für alle, die vollständig den WHO-Regeln entsprechend geimpft sind. Wer nicht geimpft ist, sollte ebenfalls ohne Quarantäne, aber mit einem negativen Antigentest vor Abflug reisen dürfen.
Als Argument für diese Forderungen zitiert die Iata eigene Umfragen, denen zufolge mindestens 80 Prozent der Befragten angaben, dass Geimpfte frei reisen dürfen sollten und zugleich Tests eine akzeptable Alternative zur Impfung sind.
Die zusätzliche Kontrolle der Gesundheitsnachweise ist ein Grund, warum sich derzeit die Wartezeiten beim Einchecken erheblich verlängert haben. Impf- und Testzertifikate sollten jedoch bereits vor der Ankunft am Flughafen online erledigt sein. Bereits jetzt gibt es gute Ansätze für diese Art der Digitalisierung.
So wird beispielsweise das Digitale Covid-Zertifikat der EU nicht nur innerhalb der EU, sondern schon von 22 Nicht-EU-Staaten anerkannt. Mit gutem Beispiel gehen auch die Regierungen von Aruba, Australien und Kanada voran, wo man über Portale seine Gesundheitsdokumente für die Einreise ebenfalls online verifizieren lassen kann, und die unter anderem auch den von der Iata entwickelten Travel Pass akzeptieren.
Ebenfalls positiv erwähnt die Iata die Website der Schweiz Travelcheck, die jeweils zugeschnitten auf den individuellen Aufenthaltsstatus des Reisenden Auskunft gibt, unter welchen Bedingungen er einreisen kann.
Bei ihren Umfragen weist die Iata darauf hin, dass 88 Prozent der Befragten standardisierte Impf- und Testzertifikate befürworten. Nur ein Prozent weniger wäre auch bereit, dafür über eine App persönliche Gesundheitsdaten mit den berechtigten Stellen zu teilen, wenn dies die Abfertigungszeiten verkürzen würde. 73 Prozent fanden es mühsam, die jeweiligen Einreiseregeln und Nachweise für ein Ziel zu verstehen.
Nach fast zwei Jahren Pandemie ist das Wissen über Corona groß. Sicher ist, dass diese Viruskrankheit endemisch wird und damit bleibt. Vor diesem Hintergrund gilt es, die Verhältnismäßigkeit der Schutzmaßnahmen ständig zu überprüfen. Gesundheitsschutz, Infektionsrisiko und die Fortschritte in der Beherrschbarkeit der Krankheit stehen wirtschaftlichen Interessen gegenüber. Der Iata zufolge erwarten 87 Prozent der Passagiere, dass die Regierungen die Balance zwischen Gesundheitsschutz und wirtschaftlicher Erholung finden müssen.
Die Iata hält es daher für wichtig, Verbraucher wie auch die Reisebranche über die Risikoeinschätzungen zu informieren, aufgrund derer über den internationalen Reiseverkehr entschieden wird. Bestehende Gesundheitsvorschiften und -maßnahmen sollten immer ein Ablaufdatum haben, damit sie auf keinen Fall länger als nötig gelten. So sind derzeit noch 85 Prozent der Reisenden überzeugt, dass die Maskenpflicht an Bord wichtig ist. Aber 62 Prozent denken, dass sie sobald wie möglich abgeschafft werden sollte.
(thy)
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