Freitag, 18 Mai 2012

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Aufbruch ins Chaos

Moskau wächst - leider wachsen auch die Staus

Moskau wächst - leider wachsen auch die Staus

Moskau bietet historisches Weltkulturerbe und Hightech-Wolkenkratzer. Auf dem Weg in die Zukunft erstickt die Stadt fast an ihren Verkehrsproblemen

Moskau hat sich in den letzten fünf Jahren noch einmal sehr stark weiterentwickelt. Die Stadt gilt als politisches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des russischen Riesenlandes und ist nach wie vor – ungeachtet der Finanzkrise – wichtiger Anziehungspunkt für Unternehmer aus aller Welt. Ein Großteil aller Auslandsinvestitionen landet in Moskau. Dementsprechend wächst die Wirtschaft in der Hauptstadt deutlich schneller als im Rest des Landes.Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Stadtbild wider: Moskau hat sich rasend schnell von einer traditionsreichen Stadt zur Hightech-Metropole verwandelt. Diese Entwicklung geht rasant weiter und hinterlässt überall in der City ihre Spuren. Unweit des Kremls entsteht zur Zeit ein „russisches Manhattan“ mit modernen Gebäuden in abenteuerlichem Design. Mittendrin wächst Europas höchster Wolkenkratzer zu einer Höhe von knapp 450 Metern empor.Teures Business-Viertel
Dieses neue Viertel steht als Synonym für die Entwicklung der Stadt – mit all ihren Vor- und Nachteilen. Moskau ist hinsichtlich seiner Miet- und Lebenshaltungskosten einer der teuersten Businessdistrikte der Welt und kämpft tagtäglich mit immensen Verkehrsproblemen. Die unglaubliche Menge an Autos, der das Straßennetz auch nicht annähernd gewachsen ist, gepaart mit einem sehr „proaktiven“ Fahrstil, führt dazu, dass im gesamten Innenstadtbereich sowie auf den großen Ausfallstraßen an nahezu jedem Tag gewaltige Staus entstehen. Dabei findet keinerlei Lenkung der Verkehrsströme statt, und so entsteht zumindest an den Werktagen ein Chaos, das bei weiteren Wegen durch die Stadt jede Terminplanung so gut wie unmöglich macht. Ein Moskauer Taxifahrer stand nach eigener Aussage einmal für zwölf Stunden im Stau!
Und dennoch hat die Stadt ihre Fans. Denn mit ihrer Kombination aus alten Bauten und Megawolkenkratzern, ihrer Mischung aus Straßenlärm und Abgasen, der Geschäftigkeit, manchmal auch Hektik der Moskowiter, mit ihren glitzernden Restaurants und Bars strahlt sie auch Kraft und Lebensfreude aus und sucht in ihrer unvergleichlichen Intensität zumindest in Europa ihres Gleichen. Transport
In Moskau gibt es insgesamt drei internationale Flughäfen. Domodedovo ist nicht nur der größte von ihnen, sondern zeichnet sich auch als privatwirtschaftliches Unternehmen durch Sauberkeit, Großzügigkeit und ein hohes Maß an Service aus. Immer mehr internationale Airlines haben deshalb dem staatlichen Konkurrenten Sheremetjevo im Norden der Stadt den Rücken gekehrt und fliegen nun Domodedovo an, darunter auch die Lufthansa und Air Berlin. Manchmal aber trügt die Modernität, und dann kommen wieder alte russische Gewohnheiten zum Vorschein: Der Transferzug, genannt Elektrichka, der Domodedovo innerhalb von 45 Minuten mit der Moskauer Innenstadt verbindet, bietet den Passagieren in acht bis zehn Waggons Platz – doch nur im ersten Wagen gibt es eine (Steh-) Toilette.
Wegen der oben beschriebenen Verkehrsprobleme bietet sich für weitere Strecken durch die Stadt eigentlich nur die Metro an. Sie wurde 1935 mit insgesamt 13 Stationen eröffnet und verfügt inzwischen über ein Netz von mehr als 300 km Streckenlänge mit zwölf Linien und 182 Stationen. Viele Metrostationen liegen tief unter der Erde. Deshalb gibt es sehr lange und steile Rolltreppen, bei deren Benutzung man einigermaßen schwindelfrei sein sollte. Aber der Weg in den Untergrund lohnt sich, denn zahlreiche Bahnhöfe sind als so genannte „Paläste für das Volk“ äußerst sehenswert. Dazu gehören auf jeden Fall die Stationen „Nowoslobodskaja“ mit ihren beleuchteten Buntglasfenstern, „Kiewskaja“ mit zahlreichen Mosaikbildern zur russisch-ukrainischen Freundschaft und „Barrikadnaja“ mir rotem Marmor als Verweis auf die Oktoberrevolution. Außerdem lohnt sich der Besuch der „Teatralnaja“ am Theaterplatz. Wer die gesamte Pracht der Metrostationen bewundern möchte, macht am besten eine Rundfahrt mit der Ringlinie „Kolzowaja Linja“.
Neben der Metro bieten sich im Frühjahr und Sommer Sightseeing-Touren per Schiff an. Die Bootstour auf der Moskwa liefert nicht nur neue, interessante Blicke auf die Stadt, sondern hat auch den unschätzbaren Vorteil, dass sie garantiert unbeeinflusst von den Staus stattfindet. Sehenswertes
Um den 60.000 Quadratmeter großen Roten Platz und den Kreml zu erkunden, bietet sich ein Spaziergang zu Fuß an. Der weltberühmte Platz hat eine jahrhundertlange Geschichte als Ort für Demonstrationen und Militäraufmärsche. Auf der einen Seite begrenzen ihn die roten Mauern des Kreml mit dem angrenzenden Lenin-Mausoleum, auf der anderen Seite liegt das Kaufhaus GUM, das mit seiner ungewöhnlichen Architektur und den vielen Einzelläden allemal einen Besuch wert ist, auch wenn sich dort, in einem der bekanntesten Shopping-Tempel der Welt, absolut keine Schnäppchen machen lassen. Zum Fluss hin finden sich die Basilius-Kathedrale und das historische Museum. Besonders beeindruckend wirken Kreml und Basilius-Kathedrale, wenn sie am Abend illuminiert sind. Auch wenn die Termine dicht gedrängt sind, sollten Sie etwas Zeit fürs Sightseeing mitbringen. Der Kreml mit seinen wunderbaren Kirchen, dem Sitz des Präsidenten und den verschiedenen Palästen war viele Jahrhunderte Russlands geistliches und weltliches Zentrum. Die historische Festungsanlage gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Außerdem gehören ein Besuch des Lenin-Mausoleums, des historischen Museums und der Kirche Kasansky Sobor sowie ein Spaziergang durch den Alexandergarten  zur Christ-Erlöser-Kathedrale zum Pflichtprogramm. Auch auf das Bolschoi-Theater sollten Sie einen Blick werfen. Im Moment ist es wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen, es soll in diesem Jahr jedoch wiedereröffnet werden. Allein schon der Blick auf die Fassade dieses im klassizistischen Stil erbauten „Großen (russisch: Bolschoi) Theaters“ lohnt sich! 
Moskau bei Nacht Moskau schwelgt am Abend in einem Lichtermeer. Besonders empfehlenswert sind deshalb die Aussichtspunkte mit einem weiten Panoramablick. Dazu gehört zum Beispiel der Poklonnaja Gora, der als einer der höchsten Punkte Moskaus einen faszinierenden Überblick bietet. Ähnliches gilt für die Bar in der obersten Etage des Hotels „Zolotoje Kolzo“ (Golden Ring) mit Ausblick auf einige stalinistischen Monumentalbauten im Zuckerbäckerstil. Ein weiterer guter Ort zum Sehen und Staunen ist die City Space Bar Lounge im obersten Stockwerk des Swiss Hotels „Krasnye Holmy“.
Zum krönenden Abschluss des Abends gönnen Sie sich eine Taxifahrt an der Moskwa entlang und um den Kreml herum. Essen und Trinken
Zu einer der ersten Gourmet-Adressen in Moskau gehört das Café Puschkin. Es besticht durch ein sehr schönes, historisch geprägtes Ambiente mit guter russischer und auch internationaler Küche.
Moskaus Restaurants sind inzwischen sehr international geprägt – an jeder Ecke finden sich Pizzerien, Fast-Food-Ketten und Sushi-Plätze. Wenn lieber die traditionelle russische Küche mit Pelmeni, Blini und Borschtsch probieren möchten, für den empfiehlt sich der Besuch in einer „Stolovaja“. Diese typischen Lokale bestehen aus einer Art Büffet, an dem man sich all die Spezialitäten vorher anschauen und sie dann genießen kann. Shopping
Die Moskauer Shoppingwelt orientiert sich heute leider überwiegend am Geldbeutel der Neureichen Russlands und der Touristen. Demnach findet man in der Innenstadt vornehmlich Prunkstraßen wie die Twerskaja oder das traditionsreiche Kaufhaus GUM, wo es alle westlichen Designerwaren, die das Herz begehrt, zu kaufen gibt. Die schicke Umgebung, Ausdruck des in den letzten Jahren entstandenen kapitalistischen Moskau, steht im krassen Gegensatz zu all den historischen und religiösen Stätten des Roten Platz. Übernachtung
In den letzten Jahren sind in Moskau unzählige neue Hotels erbaut worden, da die Stadt als absoluter Zentralpunkt insbesondere zu Messezeiten an chronischem Hotelbettenmangel leidet. Zu den anspruchsvollen Häusern der Innenstadt gehören das Hilton Moscow Leningradskaya, das Courtyard by Marriot Moscow City Center Hotel und das Hotel „Krasnye Holmy“. Daneben gibt es auch das altbewährte Baltschug Kempinski, das wunderschön an der Moskwa gegenüber vom Kreml gelegen ist. Bei all diesen schönen Hotels vergisst man leider allzu leicht, dass Moskau eine der teuersten Städte der Welt ist, spätestens beim Begleichen der Hotelrechnung wird das aber wieder deutlich. Vor allem zu Messezeiten sind Preise ab 500 Euro für ein Doppelzimmer keine Seltenheit. Aber die Stadt in ihrer einzigartigen Aufbruchstimmung mit viel sehenswerter Geschichte und einer nicht weniger spannenden Gegenwart und Zukunft ist allemal auch den hohen Preis wert.
Sergey Frank
 

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