Geheimtipps für Chinas Hauptstadt
Beijings verborgene Reize
Alles Prunk und Protz? Auf den ersten Blick ja. Trotzdem: In den traditionellen Vierteln bietet Beijing noch jede Menge Geschichte und schöne Ecken
Manchmal scheint es, als könne sich Beijing nicht so recht entscheiden: Bunt gewürfelt liegen traditionelle graue Hofhäuser neben verspiegelten Wolkenkratzern, kaiserliche Prunkbauten neben sozialistischer Platte. Die kerzengeraden Straßen dazwischen sind wiederum ein Erbe der Mongolen, die Beijing vor rund 800 Jahren dem Erdboden gleich machten, neu aufbauten und die verschlafene Garnisonsstadt am Rande des Kaiserreichs überhaupt erst zu einer Hauptstadt formten. Und das auch noch am Rande der Wüste! Wer je einen der Frühjahrsstürme erlebt hat, die feinen Löss-Staub in die Stadt bringen, die Sicht vernebeln und Menschen den Atem rauben, fragt sich in der Tat, ob Kublai Khan nicht einen besseren Ort hätte finden können für die Gründung seiner neuen Reichsmetropole.
Kein Wunder, dass sich Beijings Reiz oft erst auf den zweiten Blick erschließt. Denn die Stadt steht nicht nur für seine gewaltigen Bauwerke, sondern auch für seine wenig umgänglichen Bewohner, die zweifellos dickköpfiger, direkter und manchmal schlicht unfreundlicher sind als die charmanten Shanghaier oder Guangzhouer. So bringt Beijing nicht nur die intellektuelle Elite von morgen hervor, sondern auch Taxifahrer, die sich allzu gerne unwissend geben und Langnasen mit Orientierungsproblemen nicht selten einfach stehen lassen. Wer will sich schon für ein paar Yuan auf ausländische Fahrgäste und ihre Verständigungsprobleme einlassen? Für nicht ortskundige Besucher eine wirklich frustrierende Erfahrung – die man jedoch leicht vergisst hinsichtlich des beeindruckenden Angebots an Kunst, Kultur und Nachtleben.
Wer nach getaner Arbeit abends noch einen Blick auf das wahre China werfen will, bekommt in Beijing mehr geboten als die Schlager von gestern und exotische Mode. Schräge Galerien (zum Beispiel auf dem Areal der ehemaligen Raketenfabrik Dashanzi im Chaoyang Distrikt), gewagte Theaterinszenierungen und Rockkonzerte der Underground-Szene prägen eine progressive Subkultur, die sich haarscharf am Rande der vom Staat verordneten Regeln bewegt und manchmal auch ein bisschen darüber hinaus.
Eine sichere Adresse, wenn es ums Nachtleben geht, ist Houhai: Die wörtliche Übersetzung „am hinteren See“ klingt eher provinziell. Doch weit gefehlt. Das Gassengewirr zwischen dem See Houhai und dem Trommelturm Gulou ist berühmt für seine coolen Bars, Kneipen, Musikpaläste und Café-Terrassen. Ein bisschen ruhiger geht es nach wie vor im benachbarten Viertel Nanluoguxiang zu: Die Bar- und Restaurantstraße ist eine entspannte Alternative für alle, die allzu späte Exkursionen scheuen. Wer Zeit und Muße hat, kann bei dieser Gelegenheit auch einen Spaziergang durch die traditionellen Hutongs dranhängen: Hier gibt es kaum Autos, und man kann ungehindert eintauchen in den Alltag der dort lebenden Menschen. Zu den besten Adressen für einen Hutong-Spaziergang gehören praktischerweise die Seitengassen von Houhai und Nanluoguxiang (ideal für einen Ausflug zwischen Cocktail und Dinner) und die Gegend südwestlich des Platzes des Himmlischen Friedens, die auch als „Dashilan“ bekannt ist.
Obwohl viele Hutongs in den letzten Jahren der Abrissbirne weichen mussten, wurden zahlreiche Ecken liebevoll restauriert und – das ist die gute Nachricht für Reisende – in Hotels verwandelt. Hinter manch einer verzierten Tür verbirgt sich nun eine individuelle Herberge, von denen sich viele auf Vier- bis Fünf-Sterne-Niveau bewegen. Zum Beispiel das kleine, aber feine Hotel Coté Cour SL im rund 500 Jahre alten Hutong: komplett chinesisch eingerichtet, und mit absolut persönlichem Service. Noch ein wenig individueller ist das Four Seasons Courtyard Hotel (das übrigens nicht zur Four Seasons Kette gehört) am Trommelturm. Das frühere Haus einer kaiserlichen Konkubine wurde im vergangenen Jahr in ein Vier-Sterne-Hotel verwandelt, wobei alle sieben Zimmer im Stil des 19. Jahrhunderts eingerichtet sind.
Dem Kaiserhof sprichwörtlich in die Töpfe schauen kann man im Aman Resort: Das Fünf-Sterne-Haus der Luxuskette ist in der ehemaligen kaiserlichen Küche am Sommerpalast untergebracht und im Stil der Ming-Dynastie ausgestattet. Auch wenn die Lage nicht ganz zentral ist: Allein das Privileg, morgens vor den offiziellen Öffnungszeiten durch den Sommerpalast zu schlendern, lohnt eine Übernachtung. In der Residence des Red Capital Clubs geht es dagegen turbulenter zu: Direkt am gleichnamigen Club gelegen sind es zum Abendvergnügen nur wenige Meter, inklusive einer Zeitreise in die 1920er und 1930er Jahre. Die Krönung der neuen Retro-Gastlichkeit steht freilich direkt an der Großen Mauer, etwas außerhalb der Stadt: Die Commune by the Wall ist zur Hälfte Hotel, zur Hälfte Architektur-Museum – inklusive 24stündigem Butler-Service für die Gäste und Gelegenheit, die Mauer einmal ganz in Ruhe zu erkunden. Mit einem Mal scheinen sich Kaiserzeit und Moderne doch noch harmonisch zu ergänzen....
Mehr gibt's im aktuellen Business Traveller: Asien-Spezialistin Francoise Hauser präsentiert nämlich in der Print-Ausgabe ihre Peking-Tipps in chinesischer Schrift - für die Taxifahrer.
Ein Business Traveller-Tipp:
Auch wenn die Zeit für einen Besuch der Verbotenen Stadt nicht reicht: Ein Abendessen im Capital M gegenüber muss sein – mit Blick auf den Platz des Himmlischen Friedens, am besten abends, wenn die Verbotene Stadt beleuchtet ist. Geöffnet täglich von 11.30 bis 22.30 Uhr. Adresse: Capital M, Qianmen Buxingjie, Chongwen Distrikt, www.m-restaurantgroup.com/capitalm/home.html
Vorsicht, Falle:
- Vor der Reise nach Beijing sollten Sie die die Kreditkartenfirma kontaktieren: Viele Karten sind in China automatisch gesperrt, um Manipulationen vorzubeugen.
- Für elektrische Geräte ist ein Adapter nötig. Die Spannung beträgt, wie in Deutschland 220 Volt
- Taxi-Fahrer sprechen meist kein Englisch und nehmen daher hin und wieder Ausländer nicht gerne mit. Wer derartige Probleme umgehen will, sollte die Adressen auf Chinesisch notieren lassen.
Beijing-Basics:
Telefon-Vorwahl : 010
Währung: Chinesischer Renminbi (RMB), auch als Yuan oder umgangssprachlich „Kuai“ bekannt.
Visa: Diese müssen vor der Einreise bei einer konsularischen Vertretung in Deutschland beantragt werden. Genaue Vorschriften und Antragsformulare im Internet unter www.china-botschaft.de/det/lsfw/
Info: Fremdenverkehrsamt der Volksrepublik China, Ilkenhansstr. 6, 60433 Frankfurt am Main, Tel. 069-520135, www.china-tourism.de
Deutsche Botschaft vor Ort: Dongzhimenwai Dajie Chaoyang Distrikt, Tel. 85329000, www.peking.diplo.de
Guides: Buch: „Peking und Shanghai“, Trescher Verlag, 424 Seiten, 18,95 Euro, App (Android): „Beijing“ von Green Flame Apps 5 (0,70 Euro), App (iPhone): „Peking“ von MTrip (kostenlos)
Event-Tipp: Beijing ist eine schnelllebige Stadt, in der Termine selten früher als zwei Wochen im Voraus festgelegt werden. Aktuelle Infos unter www.timeoutbeijing.com und www.cityweekend.com.cn/beijing/ oder per
Gratis-App (Android) „Beijing Buzz“ – mit alle aktuellen Daten (Download unter www.androidapps.com)
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